Freitag, 13. Januar 2017

Tapetenwechsel

Obwohl es sie seit Hunderten von Jahren gibt, haben die Tapeten bei uns irgendwie einen schlechten Ruf.  Zusammen mit den Spannteppichen gelten sie als eher uncool. Eigentlich schade, denn so eine Tapete kann das Wohnzimmer einer profanen Blockwohnung im Handumdrehen in einen Salon verwandeln, der eines Palais würdig wäre. Und alles mit ein bisschen Kleister. Es kommt halt auf das Muster an und braucht ein bisschen guten Geschmack. Wer letzteres nicht sein eigen nennt, der sollte lieber weiteren seinem helvetischen Abrieb huldigen. Dem Maler, der diesen Putz des Grauens erfunden hat, sollte man übrigens noch heute die Lizenz entziehen. Es ist erschreckend, dass sich eine Grässlichkeit diesen Ausmasses so rasend schnell verbreitet hat, dass sie heute in fast allen Wohnungen und Häusern wütet und der gemeine Schweizer davon überzeugt ist, dass dieser Abrieb das non plus ultra der Wandputze sei. Was für ein Irrtum! Eidgenossen wacht auf! Wände brauchen keine Körnchen! Wände müssen glatt sein, dann klappt es auch mit den Tapeten.

Quelle: www.

homysphere.com



Die Tage der Fototapete sind übrigens noch längst nicht vorbei. Man muss sich heute nicht mehr einen Palmenstrand ins Wohnzimmer kleben, aber man kann. Ist durchaus wieder hipp. Aber zurück zu den regulären Tapeten. Es kann unter vielfältigen Mustern und Sujets das Passende ausgesucht werden. Bei Kinderzimmern scheint es akzeptabler zu sein als in Schlafzimmern, Büros und Badezimmern. Wer sich für eine Tapete entscheidet, ist in den Augen des Mainstreams immer ein bisschen ein Freak. Ein Bünzli halt. Wenn ich eines gelernt habe im Leben, dann ist es, dass die, die andere ganz schnell als altmodisch bezeichnen und von sich stets behaupten en vogue zu sein, die grössten Bünzlis überhaupt sind und keine Ahnung haben, was gerade angesagt ist. Wer sich also das Wohnzimmer mit pinkfarbenen Streifenmustern tapeziert, ist ein anbetungswürdiger Held der Wandverkleidung und ein Kämpfer gegen die Körnchenwände. Bravo!

Quelle: www.theroomedit.com

Tapeten sind so angesagt, dass sogar Dieter Bohlen seine eigene Tapetenlinie entwickelt hat. Gut, die Designs stammen nicht aus seiner eigenen Feder – er komponiert besser als er zeichnet - aber er hat sich aus einer grossen Anzahl Vorschlägen die Muster für seine Kollektion ausgesucht, die er sich selbst in die gute Stube hängen würde. Angetroffen habe ich ihn vor einiger Zeit schon beim Alpensymposium in Interlaken und dort zeigte er mir stolz ein Toile de Jouy-Muster aus seiner Linie New Romance und erklärte: „Die wurde sofort zum Bestseller!“ Nichts weniger hätten wir von einem Dieter Bohlen erwartet. Nach zig-fachem Doppelplatin wird unbestritten auch der doppelte, goldene Kleisterpinsel folgen.  Und was einem Bohlen recht ist, das kann einem extrovertierten Schweizer nur billig sein. Geht also hin, kratzt die würdelosen Körner von den Wänden und kleistert was das Zeug hält. 

Hier gibt es die Bohlen Tapeten Kollektion:
http://www.ps-international.de/index.php/de/kollektionen/studio-line


Landhaus Diva mit Dieter Bohlen


Quelle: www.anthropologie.com

Quelle: www.theroomedit.com

Quelle: www.theroomedit.com


Quelle: www.anneboghossian.blogspot.fr

Quelle: www.husligheter.se

Quelle: www.s-media-cache-ak0.pinimg.com

Quelle: www.muralswallpaper.com

Quelle: www.decoratingdelirium.com








Freitag, 2. Dezember 2016

Weihnachtlicher Zapfenstreich

Es mag die Weihnachtsdekoration der Armen, der Witwen und Waisen sein, die Robin Hood aus dem Sherwood Forest mit nach Hause gebracht hat, aber die ist noch heute ganz schön angesagt. Was man im Wald oder im Vorgarten des Nachbarn zusammensucht, verschönert vor Weihnachten als schmückendes Beiwerk die gute Stube. Tannzapfen in allen Grössen und Formen geben dem Fest einen bodenständigen Touch, der mit sanfter und sinnlicher Naturverbundenheit einhergeht. Ein Vergnügen, das uns die Natur seit Jahrhunderten ganz und gar kostenlos zur Verfügung stellt. Eine Seltenheit in dieser Welt, die kontinuierlich nach Erneuerung verlangt.


Source: www.homeshoppingspy.com


Weihnachten hat sich einmal mehr ganz still und leise angeschlichen und seit die Lucy brennt, ist jedem Zürcher klar, dass die Jagd nach den perfekten Geschenken und neuer Weihnachtsdeko eröffnet ist. Denn die Zeit ist knapp, die Ansprüche hoch und der Franken stark. Im Falle der festlichen Ausschmückung des trauten Heimes, schrammte schon manche Familie knapp am Privatkonkurs vorbei, weil die trendigen Farbkombinationen nicht im eigenen Fundus vorhanden waren und deshalb jedes Jahr teuer angekauft werden mussten. 

Source: www.designsponge.com

Mit Tannenzapfen kann Ihnen das nicht passieren. Sie sind dekorative Understatements, die immer en vogue sind und das Budget nicht belasten. Zapfen haben keinerlei Allüren. Sie schmücken jedes Haus auf unaufdringliche Weise. Trotzdem sind sie innovativ und wandelbar, denn sie können im Handumdrehen mit ein bisschen Glitter in aufregende Wald-Divas verwandelt werden. Ein bisschen BlingBling steht jeder natürlichen Schönheit gut und lenkt trotzdem nicht von ihrer rustikalen Eigenständigkeit ab. 

 
Source: www.dishfunctionaldesigns.blogspot.com

Aufwendig hergestellter, frisch gekaufter Christbaumschmuck und Rauschgoldengel sind durchaus schöne und wünschenswerte Accessoires, aber sie können einem selbst gefundenen Föhrenzapfen aus emotionaler Sicht nicht das Wasser reichen. Wenn er in der heimischen Wärme ankommt und unter Knacken und Rumoren sein volles Potential entfalten, dann überstrahlt die Freude an dieser überraschenden Lebendigkeit jedes glitzernde Lametta-Sternchen. Die wahre Seele von Weihnachten kommt eben – man horche und staune – von draussen rein.  


Source: www.trendzona.com
 
Source: www.welldonelandscaping.com

 
Source: www.inspirebohemia.com
 
Source: www.keephomesimple.blogspot.com
 
Source: www.vignettedesign.net

Source: www.vignettedesign.net
  

Sonntag, 30. Oktober 2016

Tausend und eine Lampe

Leuchtkörper gibt es in allen Grössen, Farben und Formen und kaufen kann man sie quasi an jeder Ecke. Von teuren Chromstahl-Ungetümen, über preisgünstige Baumarkt Kronleuchter bis hin zu den zweckmässigen, schwedischen Beleuchtungen, die man in Miilionen von Haushalten worldwide antrifft. Soweit so gut. Aber es geht besser!




Wer eine Lampe möchte, die es nur einmal gibt, nicht "von der Stange" kommt und eine Geschichte erzählt, der sollte sich die Kreationen des Design-Labels "dietausendUNDEINE" anschauen. Christine Locher und Carmelo Buffoli hauchen vintage Lampen neues Leben ein. Christine spürt auf Flohmärkten, in Brockenhäusern und im Internet formschöne, vintage Lampen auf. Sie kümmert sich um die neue Verkabelung, die Restauration und sucht die neuen Lampenschirme aus. Carmelo ist für das Design der Schirme zuständig, wobei die Lampenschirme mit ausgesuchten Stoffen neu bespannt werden. Dabei ist es dem Duo wichtig, dass es sich um Naturstoffe, wie Seide, Baumwolle, Leinen oder Ähnliches handelt. Je nach Objekt werden die Stoffe mit Siebdruck bearbeitet und von Carmelo handbemahlt. So entstehen nicht nur facettenreiche Lampen, sondern leuchtende Kunstobjekte.




In diesen Lampen-Kreationen steckt viel Herzblut, Feingefühl und clever durchdachtes Design. Eine Lampe soll nicht nur bei Nacht betören, sondern auch bei Tageslicht unaufdringlich schön sein. Diese Ansprüche erfüllen die Lampen von "dietausendUNDEINE". Cool am Tag, aufregend im Mondenschein!

Im Moment stellen die beiden Designer ihre Werke im Swiss Design Market an der Kasernenstrasse 77 in Zürich aus. Die Lampen können noch bis am 31.12.2016 dort besichtigt und gekauft werden. 

www.dietausendundeine.ch
www.swissdesignmarket.ch












Christine Locher

Carmelo Buffoli

Alle Fotos: Copyright by Landhaus Diva & Carmelo Buffoli





Freitag, 14. Oktober 2016

Mein Nachttisch, das unbekannte Wesen

Das Tischchen, das üblicherweise neben dem Bett steht und komischerweise als Nachttisch bezeichnet wird, obwohl es auch tagsüber nicht von der Bildfläche verschwindet, ist ein viel vernachlässigtes Möbelstück. Es ist verdammt dazu, als mitternächtliche Notfall-Aufbewahrung zu fungieren, damit jede Eventualität ausgeschlossen werden kann, die einen mitten in der Dunkelheit aus dem Bett treiben könnte.
 
Source: http://www.bellemaison23.com/
 
In den Schubladen werden Gegenständen aufbewahrt, die man im Tageslicht lieber nicht zu sehen bekommt. Da tummeln sich Nasensprays neben farbigen Verhüterlis und  alte Filzstifte neben Pfeffersprays. Schmerztabletten teilen sich mit angeknabberter Schokolade den Platz und Haarbürsten mit abgelesenen Taschenbüchern. Auf den Abstellflächen türmen sich Taschentücher, Magazine, Bücher und unanschaulich Wecker mit giftgrünen Digitalanzeigen. Verschiedene Wasserflaschen stehlen sich gegenseitig die Show und jeden Abend kommt eine neue dazu. Nachttischchen scheinen ohne Rücksicht auf Verluste alles über sich ergehen lassen zu müssen und fallen in Sachen Ästhetik immer durch die Maschen.
 
Source: http://www.houseofturquoise.com/
 
Die Ansicht, dass dieses arg gebeutelte Nachttischchen nie alleine sein darf, ist unverständlicherweise ebenfalls weit verbreitet. Als ob eine Entwürdigung  nicht genug wäre, wird sie noch verdoppelt, damit auf beiden Seiten des Bettes der stilistische Ausnahmezustand ganz und gar synchron wüten kann. Dabei wird erwartet, dass diese bedauernswerten Kramunterlagen eineiige Zwillinge sein müssen. Möbeldesigner, die zu viel Raumschiff Enterprise Episoden gesehen haben, entwickelten eine Zeit lang sogar futuristisch wirkende Betten, die Kommandozentralen ähnelten und aus denen beidseitig je ein Anhängsel wuchs, auf denen die nächtlichen Accessoires Platz fanden. Mr. Spock hätte sich zweifellos gefreut in einem solchen Nachtlager zu ruhen. Menschen ohne spitze Ohren sollten um jeden Preis die Finger davon lassen.
 
Source: http://www.housetohome.co.uk
 
Ein Nachttisch ist ein sinnliches Wesen. Es gefällt ihm, wenn es mit Respekt behandelt und mit schönen Dingen bestückt wird. Es ist gerne individuell unterwegs, braucht also kein gleichaussehendes Gegenstück, versteht sich aber gut mit abweichenden Tischchen der gleichen Gattung auf der anderen Seite des Bettzeugs. Es ist begeistert, wenn es von warmem Licht beschienen und mit einem Weckinstrument ausgestattet wird, das optisch ansprechend und akustisch unerschrocken ist. Es liest bevorzugt hochstehende Literatur, freut sich über täglich frisches Wasser in schönen Gläsern und schaut sich gerne Fotos von lieben Menschen an. Wenn es Schubladen aufweist, dann ist es ein Tischchen mit einem Sinn für Diskretion. Über Peinliches, Unattraktives und Erschreckendes wird nicht gesprochen, Liebliches, Aufregendes oder Poetisches hingegen immer ins beste Licht gerückt.  Ein guter Nachttisch kann sich auch bei Tageslicht stets sehen lassen.
 
 
Source: http://karenhaller.co.uk
 
Übrigens muss es nicht immer ein Tisch sein. Auch ein extravaganter Stuhl, eine antike Truhe oder eine schöne Kommode sind feinfühlige Begleiter durch die Nacht und standhafte Gefährten während des Tages. Bei einem Nachttisch verhält es sich wie im richtigen Leben: Wenn er der Richtige ist, dann hält er auch am Tag, was er in der Nacht verspricht.
 

Source: http://www.styleathome.com
Source: http://placesinthehome.com
Source: http://thethingswelike.org
Source: www.scoop.it

Source: http://hilarymcolyer.blogspot.ch

Samstag, 10. September 2016

Der goldene Käfig

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Und das ist gut so, sonst würden uns die Einbrecher am Ende noch die Türen einrennen und sich über unsere frisch gekauften, goldfarbigen Kerzenständer und die gülden gespritzten Lampenschirme her machen.  Ist natürlich alles Tand und von echtem Goldstaub kann keine Rede sein. Zum Glück ist auch der moderne, gut informierte Delinquent über die neusten Modetrends in Sachen Innendekoration auf dem Laufenden und lässt sich von solchen Sperenzchen nicht blenden. Er treibt sein Unwesen lieber beim Nachbarn mit dem Jaguar im Vorgarten und der Rolex am Handgelenk. 


Source: www. zsazsabellagio.blogspot.com

Ohne Angst kann man also heute seine Wohnung mit goldenen Accessoires bestücken, die vielleicht einen sentimentalen Wert haben, aber kaum eine teure Alarmanlage erfordern. Es sei denn, man hat eine Garnitur echter, goldener Kerzenständer aus der Villa der Erbtante mit nach Hause nehmen dürfen. Das sind natürlich Prunkstücke, die einen besonders edlen Touch in die Einrichtung bringen und sich zudem gut dazu eignen, Eindringlinge jeglicher Art niederzustrecken. In Notwehr natürlich.


Source: www.bungalow1a.com


Streichen wir mal die Bilder aus den Kultserien der 80er Jahre, wie Denver-Clan oder Dallas, aus dem Gedächtnis, wo goldene Wohn- und Fashion-Accessoires ein Zeichen von Macht und Reichtum darstellten. Gold muss nicht dekadent sein, aber es adelt jeden Raum, wenn es in gemässigten Mengen auftritt. In Form von Bilder- und Spiegelrahmen ist das Edelmetall schon lange ein akzeptierter und beliebter Partner in der Inneneinrichtung. Bei Lampen, Objects d’Art und Vasen ist gerade eine sanfte Wiedereingliederung im Gange. Goldfarben gestrichene Möbel, Kücheneinrichtungen oder Badewannen hingegen, werden noch immer als Enfant Terrible angesehen.   

Source: www.hgtv.com

Von solchen Vorurteilen sollte man sich nicht aufhalten lassen. Machen Sie Ihr eigenes Ding, denn Gold ist cool! In Verbindung mit anderen Farben sind goldene Akzente in einer Wohnung einfach ein Hingucker.  Und zwar nicht nur an Weihnachten! Wer sich darauf einlässt, beweist, dass er stilmässig Weitblick hat und einrichtungstechnisch ein Überflieger ist. Aber übertreiben Sie es nicht: Es ist nur ein dünne Linie zwischen grosser Freude am Haus und einem Freudenhaus.


Source: www.frenchmadame.com

Source: www.modresdes.com

Source: www.missrenaissance.com

Source: www.bungalow1a.com

Source: www.amazingdecoration.net

Source: www.zuhairah-homeinteriordesign.blogspot.com

Mittwoch, 17. August 2016

Clifford Lilley und die Villa Egli – Ein Team mit Charme, Stil und Esprit

Gleich beim ersten Anblick der Villa Egli war Clifford Lilley fasziniert von diesem Haus, das direkt an der Zürcher Spaziermeile am See liegt. Dreissig Jahre ist es schon her, als er bei einem Spaziergang dieses, über 100 Jahre alte, im englischen Landhausstil erbaute Bijou zum ersten Mal sah und von der Musik angelockt wurde, die auf die Strasse drang. In der Villa Egli war damals die Ballet Academy Zurich sowie ihre Studenten aus aller Welt untergebracht. Als Clifford durch die Fenster die Tänzer sah, wollte er mehr über diesen Ort herausfinden. Der Zufall wollte es, dass just im gleichen Moment, als Clifford an die Türe klopfte, die damalige Direktorin der Academy, Herta Bamert, aus dem Haus trat. Sie erzählte von ihrer Schule, er erzählte von seinen Erlebnissen und davon, dass er gerade erst aus seiner Heimat Südafrika in Zürich angekommen sei und dort eine Schauspielausbildung abgeschlossen hätte. An der Ballettschule war ein Studienplatz frei, und so packte Clifford die Gelegenheit beim Schopf und schrieb sich an der Ballet Academy ein. Viele zertanzte Schuhe später ergatterte er sogar ein Zimmer im ersten Stock der Villa. Heute ist er immer noch dort, geniesst die exklusive Lage und den kreativen Esprit, der im Haus herrscht.



Die Villa Egli hat in all den Jahren immer eine Ballettschule, verschiedene Künstler und Studierende beherbergt. Clifford Lilley hat es nie gestört, dass die Villa eine WG ist. Auch nicht, dass das Haus etwas renovationsbedürftig ist und sein Mietvertrag immer nur auf beschränkte Zeit verlängert wird, weil die Stadt Zürich darauf hofft, dass jemand die unter Heimatschutz stehende Villa übernimmt. Vielleicht macht all das den Charme der Villa aus. Immerhin ist „shabby“ wenn es um’s Wohnen geht sowieso gerade sehr en vogue. Und wenn sich Clifford Lilley mit etwas auskennt, dann mit der Mode und den angesagten Trends. Als Stylist und Fashion Consultant ist das sein täglich Brot. Nicht nur seine Kunden sondern auch sein Zuhause profitieren von seinem geübten Auge. Mit einem unfehlbaren Flair für Stil und der Liebe zu allem Schönen hat er die Räume, die er bewohnt, genauso harmonisch wie aufregend eingerichtet.




Bereits der Vorraum zu seinem Büro ist mit Blumen geschmückt. Frische Blüten sind ihm wichtig. Deshalb sind sie grosszügig im ganzen Haus verteilt,  und rein optisch partizipieren auch seine Mitbewohner an ihnen mit. Wenn man das Büro betritt, fühlt man sich in eine andere Zeit zurück versetzt und an einen anderen Ort. Er erinnert an die Drawing Rooms der englischen Herrenhäuser. Clifford hat es mit seiner Büchersammlung ausgestattet, mit reizenden Details und überraschenden Hinguckern. Die Möbel hat er grösstenteils geschenkt bekommen oder sie sind eine Leihgabe. „Weil ich nie weiss, wie lange ich in der Villa bleiben kann, wollte ich nur wenig Möbel besitzen. Auch weil man nicht weiss, wo man danach hinzieht und ob sie dann noch reinpassen.“ sagt er mit einem wissenden Lächeln. Aus diesem Grund hat natürlich auch jedes Stück seine Geschichte und die seines ehemaligen Besitzers zu erzählen, was dem Raum noch einen zusätzlichen Kick verleiht.




Im oberen Stock befinden sich Clifford Lilley‘s privaten Räume und allein der Aufstieg in diese Gefilde über ausgetretene, steile Holztreppen ist eine Augenweide und ein kleines Abenteuer zugleich. Viele Türen gehen vom langen Gang ab, an dessen Ende sich „The Green Room“ befindet. Wenn draussen die Sonne scheint, ergiesst sich warmes Licht auf die antiken Tapeten mit dem grünen Blumenmuster und verwandelt das Wohnzimmer in einen strahlenden Ort der Ruhe. Dazu befragt, was ihm bei der Einrichtung am wichtigsten sei, erklärt Clifford: „Gute Proportionen und ein paar Freiräume sind wichtig. Auch dass zwischendurch, immer wieder etwas steht, dass dem Auge schmeichelt. Ein schönes Buch oder Bild zum Beispiel. Und grosse Vasen mit Blumen.“ Diesem Credo folgend gibt es im grünen Raum viel Platz für kreative Gedanken, aber keinen für Eintönigkeit. Hier sowie auch in den anderen Räumen herrscht ein lockerer, eklektischer Stil vor. Ein eleganter, goldener Spiegel ziert eine Kommode auf der Familienfotos stehen. Clifford zeigt mit Stolz auf die Fotos und lacht: „Mein Vater und mein Grossvater waren beide bei der Marine. Ich auch, aber ich wollte dann trotzdem Schauspieler werden.“




Im langen Gang vor dem Wohnzimmer hat Clifford seine eigene, kleine Gartenecke aufgebaut, die er liebevoll hegt und pflegt. Auf die Frage, ob er etwas sammle, überlegt er lange und sagt dann: „Vielleicht Bücher. Ich habe viele Bücher und ich liebe sie.“ Wenn man allerdings die Wände im Gang betrachtet, dann wird schnell klar, dass er auch ein Faible für Bilder hat. Sie hängen überall. In allen Grössen und Formaten, Alte, Neue, mit und ohne Rahmen. Und es wäre nicht Cliffords Galerie, wenn es nicht auch zu jedem Bild eine Anekdote zu erzählen gäbe. Was ihn und auch seine Arte des Einrichtens ausmachen, sind die Geschichten, die er erzählt und die erfrischende Bereitwilligkeit mit der er es tut. Langweilig wird es um ihn herum nie. Dafür hat er schon immer zu sorgen gewusst.




Als er in den 80er Jahren aus Südafrika in die Schweiz kam, um bei seinem damaligen Lebenspartner zu sein, war es aufgrund seiner fehlenden Deutschkenntnisse schwierig für ihn als Schauspieler Fuss zu fassen. Sein grosses Interesse an allem Neuen und sein Mut unkonventionelle Wege zu gehen bescherten ihm jedoch eine ungewöhnliche Karriere. Clifford arbeitete lange Zeit als Statist am Opern- sowie am Schauspielhaus, durfte mit dem Theater-Tross zu Aufführungen in die grossen Metropolen reisen und lernte Schauspieler, Sänger und Intendanten kennen, mit denen er noch heute Freundschaften pflegt und die ihrerseits grosse Karrieren gemacht haben. Ausserdem engagierte er sich für wohltätige Projekte. Organisierte Charity Runs und Konzerte.




Mit der Zeit musste er sich eingestehen, dass das zwar spannenden Aufgaben waren,  diese aber nur wenig Geld zum Leben einbrachten. „Und ich habe schon immer schöne Dinge geliebt.“ sagt er lachend. Also musste ein Job her, der ein stetes Einkommen garantierte. Der Zürcher Designer Hannes B suchte damals einen Modeberater- und Verkäufer, der ihm in seinem Geschäft mithalf. Clifford ergriff einmal mehr die Gelegenheit und heuerte bei dem Designer an. Viele Jahre lernte er dort alles, was man über Mode, Menschen und Manierlichkeit wissen muss, bis er sich eines Tages dazu entschloss, sich als Stilberater und Stylist selbstständig zu machen. Clifford sagt von sich selbst, dass er ein ambitionierter Mensch sei. Seine Ziele verfolgt er mit grosser Disziplin und ist bereit, sein Herzblut darin zu investieren.

Es gehört eine gute Portion Courage und viel Leidenschaft dazu, seine Träume zu leben. Für Clifford Lilley hat es sich als goldrichtig erwiesen, dieser Intuition zu folgen. Heute ist er in Zürich und der ganzen Schweiz als Experte in Stilfragen bekannt. Er ist regelmässig im Fernsehen zu sehen, am Radio zu hören, hat ein Buch geschrieben und ist der Stilberater der VIPs. Er hat es geschafft und ist dabei das geblieben, was er immer war: Authentisch, unprätentiös und weltoffen.




Seine Tipps und Tricks in Sachen Mode sind übrigens durchaus nicht nur etwas für die Schönen und Reichen. Auch Firmen oder modebewussten Damen und Herren suchen seinen kompetenten Rat. Erschwinglich ist das allemal, vor allem in Anbetracht dessen, dass so ein Shopping Nachmittag mit Clifford Lilley zur Folge hat, dass man am Ende mit gut sitzenden, zeitlosen Kleidern eine Grundausstattung zusammen hat, auf die man selbst weiter aufbauen kann. Eine Investition also, die sich rechnet.





In der Mode wie auch in der Inneneinrichtung gibt es ständig wechselnde Trends. Was die Villa Egli betrifft, so ist sie zu erhaben, um sich auf solche Kinkerlitzchen einzulassen, obwohl „The Green Room“ nichtsahnend die aktuelle Sommerfarbe aufgegriffen hat. Wenn es ums Wohnen geht, so ist für Clifford Lilley eins klar: Zeitlose Eleganz gepaart mit trendigen Accessoires ergibt einen lässigen, raffinierten Style. Das gilt auch für die Mode. Auf die Frage, was die Frau diesen Sommer im Kleiderschrank haben muss meint Clifford: „Ein luftiges, grünes Kleidchen sollte schon dabei sein.“ Nach einer kurzen Denkpause fügt er mit seinem unwiderstehlichen Charme an: „And a little, black dress, my darling.“









Alle Fotos: Copyright by Landhaus Diva

Blog Post erstmals publiziert am 10.06.2013